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Eine treffendere Schlagzeile findet z.B. DIE ZEIT: Was wusste George Bush? Die abschliessende Passage dieses Artikels dürfte für ‘Verschwörungstheoretiker’ wie ein rotes Tuch wirken: Spätestens zum Zeitpunkt des Anschlages muss die Regierung Bush die Signifikanz des Memos erkannt haben – und die potenziellen Probleme, die sich aus einer Veröffentlichung ergeben würden. Anstatt es gleich zu publizieren, wählte die Regierung einen risikoreichen Weg: Sie verweigerte sich der Öffentlichkeit. Sie wollte keine Schwäche zeigen. Sie wollte Angriffsflächen vermeiden – nur um später umso größere Angriffsflächen zu bieten. Heute erweist sich die Taktik als Fehler. Sich nach zwei Jahren dem Druck zu beugen und das Dokument doch noch zu veröffentlichen, offenbart die gegenwärtige Schwäche der Regierung. Ihr Ansehen bei der Bevölkerung verschlechtert sich mit jedem Versuch, Informationen für sich zu behalten. Die widerwillige Freigabe von wichtigen Dokumenten erweckt der Eindruck, dass die Regierung etwas zu verbergen habe – egal, ob die Dokumente später diesen Eindruck belegen oder nicht. Das Memo vom 6. August 2001 bestätigt sogar die Aussagen von Präsident Bush und seiner Sicherheitsberaterin Rice.
Damit erweist sich ausgerechnet diese oft zitierte Vorwarnung für ‘Zweifler’ als eher untaugliches Indiz für die These, die US-Regierung hätte vom Anschlagsszenario des 11. September bereits zuvor Kenntnis gehabt.
Der fragwürdige Umgang mit vorhandenen Warnungen ist jedoch zweifellos ein bedeutender Aspekt der Aufarbeitung und wird u.a. im Clarke-Buch ‘Against all Enemies’ und im Woodward-Buch ‘State of Denial’ thematisiert.
Richard Clarke kritisiert in seinem Buch die Anti-Terrorpolitik der Bush-Regierung massiv und veröffentlichte das Buch nicht ganz zufällig kurz vor den US-Präsidentschaftswahlen 2004. Das Buch von Bob Woodward erschien kurz vor den Kongresswahlen im Oktober 2006 und enthält ebenfalls vernichtende Passagen. Das Ergebnis der Recherche ist für Bush, Rumsfeld, Rice & Co. eine Katastrophe. “State of Denial” [...] zeigt ein zerstrittenes, unentschlossenes, von Lügen und Intrigen bestimmtes Weißes Haus. Einen bis zur Fahrlässigkeit uninteressierten Präsidenten, der sich von schlechten Nachrichten über den Irak-Krieg nicht stören lassen will [...]. Einen Verteidigungsminister, der tyrannisch noch so berechtigte Einwände wegwischt und es in seiner Arroganz nicht einmal für nötig befindet, Condoleeza Rice zurückzurufen. Und die Dame selbst kommt auch kaum besser weg. Im vielleicht aufregendsten Kapitel berichtet Woodward von einem bisher unbekannten Treffen das Terrorabwehrchef Cofer Black an der Seite des CIA-Direktors George Tenet bei Rice im Weißen Haus hatte. In diesem von den Geheimdienstlern dringend eingeforderten Meeting am 10. Juli 2001 haben die beiden nach eigenen Aussagen ausdrücklich vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff von al-Qaida-Terroristen gewarnt, womöglich in den USA selbst. [...] CIA-Chef Tenet wollte “Rice schütteln”, aber sie “fegte die Warnungen einfach beiseite”. Eine explosive Enthüllung: Von diesem Treffen im Weißen Haus zwei Monate vor den Terrorattacken auf die Twin Towers und auf das Pentagon steht nichts im parlamentarischen Abschlussbericht zu 9/11. Rice leugnete zunächst, daß es das Treffen überhaupt gegeben habe, es sei “nicht vorstellbar”, daß sie dringende Terrorwarnungen in den Wind geschlagen habe. Mitte vergangenen Woche musste sie zumindest in einem Punkt klein beigeben: Aufzeichnungen im Weißen Haus beweisen ein Treffen zwischen Tenet, Black und ihr. (SPIEGEL 41/06, S. 133f)
Aus 1,5 wird 11,5 - wie Zweifel entstehen
Das veröffentlichte PDB-Dokument umfasst 1,5 Seiten. Trotzdem ist die Behauptung im Umlauf, das Originaldokument umfasse elfeinhalb Seiten.
Von diesen elfeinhalb Seiten waren nach Freigabe des Dokuments am 10. April 2004 nur noch knapp zwei Seiten - präzise: 17 Sätze - zu lesen. Man fragt sich: Wo ist der Rest? (Jürgen Elsässer, 19.04.2004, ebenso im sozialistischen Magazin ‘Vorwärts)
Elsässer bezieht sich hierbei auf den ZEIT-Autor Oliver Schröm, mit dem er wenige Tage zuvor ein Interview für die Junge Welt führte. An diesem Morgen unterrichtet der CIA-Direktor persönlich den Präsidenten. Sein PDB-Papier hat statt der sonst üblichen zwei bis drei diesmal elfeinhalb bedruckte Seiten ... (Quelle, Oktober 2002)
Die “üblichen zwei bis drei” Seiten dieser täglichen Dokumente wird in einem anderen heiklen Zusammenhang (den manipulierten Kriegsgründen 2003) von einem prominenten Insider-Journalisten bestätigt: Der zwei oder drei Seiten umfassende, am frühen Morgen erstellte Bericht wird nur dem Präsidenten und einigen wenigen hochrangigen Regierungsbeamten vorgelegt. (Seymour Hersh: Die Befehlskette, 2004, S. 233)
Woher hat aber Oliver Schröm seine Information der abweichenden Seitenanzahl?
JW: Was die US-Regierung jetzt als »PDB«-Papier vom 6. August 2001 freigegeben hat, umfaßt lediglich 17 Sätze. Wo sind die übrigen neuneinhalb Seiten abgeblieben? OS: Interessante Frage. Aber meine Information scheint zuverlässig gewesen zu sein. Zumindest der damals genannte Titel des »PDB-Memorandums« hat sich ja zweifelsfrei bewahrheitet. JW: Wer ist Ihre Quelle? OS: Ich will mich nicht mit fremden Federn schmücken. Die Informationen über das Memorandum, die Umstände des Treffens zwischen Bush und CIA-Direktor Tenet und vor allem der verräterische Titel des PDB-Memos wurden damals schon in US-amerikanischen Zeitungen veröffentlicht, vor allem in der Washington Post, wo Starreporter Bob Woodward immer wieder mit bemerkenswerten Insider-Details aufwartete, die größtenteils auch in seinen Bestseller »Bush at War« einflossen.
Die entsprechende Fußnote im Buch ‘Tödliche Fehler’ von Oliver Schröm verweist auf einen Woodward-Artikel in der Washington Post. Dort findet sich jedoch keinerlei Hinweis auf den Umfang des Memos. Auch in dem JW-Interview bleibt ungeklärt, woher die Information bzgl. des Seitenumfangs stammt. Wer zwischen den Zeilen lesen will, kann bereits das Zugeständnis des Oliver Schröm erkennen, daß seine Information bzgl. des Briefing-Umfangs nicht korrekt war.
Der Hintergrund dieses Aspektes offenbart eine weiteren banalen Irrtum als Grundlage einer Legende. Am 18. Mai 2002 meldete CNN folgendes: And it was during that briefing on August 6 when he was given this 1 1/2-page memo, [...] (Quelle)
Am 19. Mai 2002 veröffentlichte das Time Magazine einen Artikel, der folgende Passage enthält: At the briefing on Monday, Aug. 6 [...] Bush received a 11/2-page document, which, according to Rice, was an "analytic report" on al-Qaeda. (Quelle)
Am 24. Mai 2002 erschien auf CNN plötzlich folgendes: [...] when it acknowledged that President Bush received an eleven-and-a half page report on al Qaeda during his August 6 daily intelligence briefing, known as the Presidential Daily Brief. (Quelle)
Zur Verdeutlichung der Abfolge nochmals in Kurzform: 18.05.2002 CNN: 1 1/2-page memo 19.05.2002 TIME: 11/2-page document 24.05.2002 CNN: eleven-and-a half page report
Eine Idee, was da passiert sein könnte?
Aus der ursprünglichen ‘1 1/2’ wurde im Stille-Post-Prinzip die ‘11 1/2’. Anscheinend ein simpler Wahrnehmungs-oder Übertragungsfehler - kleine Ursache, große Wirkung. Oliver Schröm hat diesen Fehler bedauerlicherweise im Oktober 2002 übernommen und damit eine zitierfähige Grundlage gebildet, so z.B. für den US-Aktivisten Justin Raimondo. Re-importiert wird die Falschinformation durch SteinbergRecherche: Elfeinhalb minus anderthalb - zehn Seiten fehlen, auf denen Genaueres stehen könnte, über Flugzeuge als Raketen zum Beispiel. Kerrys Freunde werden die Seiten sehen wollen.
Seitdem zirkuliert die Legende vom teil-verheimlichten Memo. Die vorübergehende Verwirrung reichte bis zum involvierten US-Politiker: "We should be requesting the entire PDB, not an article from the PDB," said former Rep. Tim Roemer, D-Ind. "How can you get the context of how al-Qaida or Afghanistan is being prioritized in 10 or 12 pages when you only are seeing two paragraphs?" (Quelle, 15.11.2003)
Tim Roemer ist nicht irgendein Politiker. Er war Mitglied der 9/11 Untersuchungskommission und am Rice-Hearing im April 2004 beteiligt. (Transkript der Hearing-Passage) Nachdem Roemer im November 2003 noch über “10 or 12 pages” spekulierte, stand dem ‘9/11-Commission’-Mitglied das Dokument offensichtlich zur Verfügung (s. Hearing). Roemer bemängelte weder während des Hearings einen ‘fehlenden Teil’, aber auch nach dem Hearing und der Veröffentlichung des Dokumentes war von Mr. Roemer kein Einwand bzgl. des Memo-Umfangs mehr zu hören.
Roemer scheint eingesehen zu haben, einer Fehlinformation im Vorfeld aufgesessen zu sein.
Ohne Ahnung - Desinformanten-Dilettanten
Im Februar 2007 hinterfragte ein verunsicherter User die WERBOOM-Glaubwürdigkeit(Vorgänger-Domain von MOSAIK911) ausgerechnet im Wisnewski-Forum (Ende 2008 wurde das Wisnewski-Forum kommentarlos vom Betreiber beseitigt, Kopie der ersten Seite des Thread). Als Reaktion kam u.a. ein Hinweis von einem User, der seinen Hass auf WERBOOM (die “Blaue Pille”) in diversen Foren zum Ausdruck bringt: Nur einen Punkt von werboom habe ich mir mal rausgegriffen, das Presdiental Briefing vom 6.8.2001, Bin Laden determined to attack inside the U.S. [...] Was werboom uns nicht erzählt: Man kann auch Dokumente veröffentlichen, die nur die halbe Wahrheit verkünden - und so hat man halt selbst die Inkompetenz-Strategie erklärt. Und das Verschweigen von Dokumenten ist kein Vertrauensbeweis, wie uns dieser Artikel suggerieren will. Oliver Schröm, geheimdienstnaher deutscher Journalist, sagt uns aber, dass dieses Dokument 11 Seiten lang war, und nicht 1 1/2. Und nun, werboom?
Tja, was nun?
Der ‘Fragensteller’ hatte plötzlich zwei Probleme: 1. Der attackierte Verfasser von WERBOOM war überraschenderweise im Forum anwesend, um auf die rhetorische gemeinte Frage zu reagieren. 2. Die beabsichtigte Attacke auf WERBOOM ging gnadenlos nach hinten los und offenbarte im Verlauf der ‘Diskussion’ weitere Peinlichkeiten.
So zeigte sich der attackierende User z.B. völlig überrascht, als WERBOOM die Bezugsquelle des Oliver Schröm bzgl. eines Großteils der Informationen nannte. Im Verlauf des Jahres 2002 fanden nämlich die Hearings der ‘ersten Untersuchungskommission’ statt. Im Dezember 2002 wurde hierzu ein Abschlußbericht verfasst, der schliesslich in deklassifizierter Version im Juli 2003 publiziert wurde: Congressional Reports: Joint Inquiry into Intelligence Community Activities before and after the Terrorist Attacks of September 11, 2001
Der Offenbarungseid des ‘Truthseekers’ dazu: Es zeigt vielmehr, wie ignoriert diese Informationen der Untersuchungskommission worden sind, wenn jemand wie ich, der seit Jahren viele Stunden Recherche täglich betreibt, sie nirgendwo anders gesehen hat und sie deshalb für Insiderwissen hielt. (Zitat ist nur noch indirekt dokumentiert, denn auch SIT hat nur den ersten Teil der Diskussion kopiert)
Wohlgemerkt: Das offenbart ein umtriebiger ‘Truthseeker’ im Jahr 2007.
Wohlgemerkt: Das Eingeständnis der Unkenntnis erfolgt im Forum eines Buchautors, der in seinem Buch ‘Mythos 9/11’ auf diese erste Untersuchungskommission und ihre Ergebnisse hinweist (vgl. S. 67f).
Nur wenige Tage zuvor - vor dem Hinweis auf die 2002/2003 vorliegenden Untersuchungsberichte - hörte sich die ‘Truthseeker’-Unterstellung noch etwas anders an und dokumentiert ein weiteres Mal die Methodik: Der, als er merkte, dass er etwas zu viel preisgegeben hatte, sich wieder rettete, in dem er sagte, er hätte nur aus offiziellen Quellen abgeschrieben. Es ist ja, wie gesagt, nicht nur die Seitenzahl. Schröm stellt ja viel mehr Infos zusammen, als zu der Zeit bekannt war. (Quelle, 05.02.2007)
Klingelts?
Dieser ‘Truthseeker’ hat sich aus dutzenden Sachverhalten einen Aspekt gezielt herausgegriffen, um die WERBOOM-Darstellung in Zweifel zu ziehen und ist damit exemplarisch gescheitert. Die fortlaufenden Hass-Attacken gegen WERBOOM sprechen Bände: Ich habe gestern übrigens noch mal auf werboom gelesen, die Propaganda dort bringt mich zum kochen. Wenn man jeden Propaganda-Punkt widerlegen sollte, wäre das eine hübsche Jahresaufgabe. (Quelle, Kopie)
Eine Jahresaufgabe? Der wütende ‘Truthseeker’ war bereits mit dem ersten - nochmals sei es betont: selbst ausgewählten - Versuch überfordert und ergeht sich ersatzweise nur noch in Desinfo-Geschrei und implizierten Todesdrohungen, z.B. nur wenige Tage nach dem Eigentor:
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