mosaik-banner

Ein Autor - ein Bild - zwei Perspektiven - fünf Falschinformationen.

In den Jahren 2002/2003 zirkulierte ein ‘verräterisches’ Foto, das angeblich ohne Behörden-Genehmigung veröffentlicht wurde. Urheber dieser Legende war möglicherweise erneut der ‘No Boeing’-Hoaxer Thierry Meyssan.

Gerhard Wisnewski betätigt sich mit der WDR-Doku “Aktenzeichen 9/11 ungelöst” als Multiplikator dieses Gerüchtes:
Und tatsächlich wurde aus einem dieser Zimmer [des Sheraton-Hotels; Anm. von mir] eine aufschlussreiche Amateuraufnahme gemacht, die den Behörden durch die Lappen ging. DAS BILD (Minute 27:15, aus “Aktenzeichen 11/9 ungelöst”)
 

WDR-Pentagon-riverhouse-horan

aus: Aktenzeichen 11.9 ungelöst (WDR, 2003)

Nur wenige Sekunden zuvor (ab 26:52) wird in derselben Dokumentation auf den Hotel-Ausblick hingewiesen:
 

sheraton-aussicht

aus: Aktenzeichen 11.9 ungelöst (WDR, 2003)

Hier ist bereits eines offensichtlich: Die Perspektiven beider Bilder haben wenig miteinander zu tun.

Der Fotograf dieser ‘mysteriösen’ Aufnahme befand sich in der ‘Riverhouse’ Apartmentanlage, nicht im Sheraton Hotel. (Quelle):
 

pent-sheraton-riverhouse1a

Quelle

Die Totale des ‘berüchtigten’ Bildes beweist den extrem schrägen Aufnahmewinkel. Dies wird in der nachfolgenden Betrachtung noch eine bedeutende Rolle spielen:
 

horan-pentagon-totale

Quelle

Die Rechte an der ‘mysteriösen’ Aufnahme liegen bei einem gewissen Tom Horan (Associated Press). 
State Photo Center editor Tom Horan, who lives a couple  of miles from the Pentagon, photographed the crash and dropped his images at the Alexandria home of colleagues Paul Alers and Carolyn Cornish. With the Potomac bridges closed to motor vehicles, Horan made his way to the office on a bicycle. (Quelle, weitere Aufnahmen vom “Amateur”)

Die Legende von der “Amateuraufnahme”. ist damit ebenfalls widerlegt.

Nach diesen irreführenden (und keineswegs nebensächlichen) Fehlinformationen nun zu der eigentlichen Botschaft der WDR-Dokumentation:
Aufgenommen kurz nach dem angeblichen Flugzeuganschlag. Spärliche Rauchentwicklung, die Fassade zeigt keinerlei Einschlagloch wie wir es von den Twin-Towers her kennen. Auch von dem mysteriösen Absturz in Shanksville gibt es einen ersten Schnappschuss. (Kommentar ab Minute 27:15; unmittelbar folgend auf den Kommentar, der eingangs dieser Seite zu lesen ist)

Wisnewski suggeriert demnach, es handele sich um einen Schnappschuss (‘Amateuraufnahme’), der “kurz nach dem Flugzeuganschlag” entstanden sei und zudem “den Behörden durch die Lappen ging”. Die Fassade zeige auf diesem Bild “keinerlei Einschlagloch”.

Keine einzige Behauptung ist korrekt.

Zunächst einige Bilder, die tatsächlich unmittelbar nach dem Flugzeug-Impact aufgenommen wurden. Sie stammen von Steve Riskus, der behauptet, die Bilder “innerhalb einer Minute” nach dem Einschlag gemacht zu haben bzw. Jason Ingersoll, der wenige Minuten danach vor Ort war. Das sind Bilder “kurz nach dem Flugzeuganschlag”. 
 

P1010016

Quelle: Steve Riskus

ingersoll-DM-SD-02-03879

Quelle: Jason Ingersoll

fire highway sicht tief12

Quelle: Steve Riskus

pentagon_14_klein

Quelle: Jason Ingersoll

Auf breiter Front schlagen die Flammen bis in das dritte Stockwerk unter massiver Rauchentwicklung. Es sind noch keinerlei Löschaktivitäten zu sehen, das erste Einsatzfahrzeug vor Ort war das Polizeifahrzeug am Heliport im oberen linken Bild.
Auf den folgenden Bildern - ebenfalls eindeutig vor dem Gebäude-Einsturz entstanden - ist ein gelbes Löschfahrzeug (MWAA Foam Unit 331) direkt vor dem Impact-Bereich zu sehen. Dieses Fahrzeug hat die oberflächlichen Brände am Gebäude größtenteils bekämpft (hierfür wurden laut Einsatzleiter Michael Defina sieben Minuten benötigt). Der Einsatzbereich vor dem Gebäude liegt noch deutlich im Schatten, auf dem Rasen zeichnet sich in gewisser Entfernung zum Gebäude eine deutlich scharfe Grenze zwischen Schatten und Sonne ab.
 

facade-intacte-hte-def1

Quelle: Jason Ingersoll

intact1-jason-ingersoll

Quelle: Jason Ingersoll

Das Bild unten links dokumentiert den Moment des Einsturzes der Gebäudefassade, etwa 20 Minuten nach dem Flugzeugeinschlag (Quelle). Das Löschfahrzeug befindet sich direkt vor dem einstürzenden Bereich und die Sonne taucht bereits den Großteil des Bereiches in ein helles Licht. Hier sieht man zudem ein reguläres Einsatzfahrzeug mit der Wagen-Nr. 61
 

pent-collapse

Quelle

moments-after-collaps-hires

Quelle

Nach dem Einsturz der Gebäudefassade mussten die Rettungsmaßnahmen mehrmals eingestellt werden und alle Einsatzkräfte den Gefahrenbereich verlassen.
10:15 a.m.: Chief Schwartz orders full evacuation because of warning of approaching  hijacked aircraft. (Arlington County After Action Report-PDF)

Entsprechende Hinweise finden sich im 9/11 Commission Report (Kapitel 9):
At 10:15, the incident commander ordered a full evacuation of the command post because of the warning of an approaching hijacked aircraft passed along by the FBI. This was the first of three evacuations caused by reports of incoming aircraft, and the evacuation order was well communicated and well coordinated.

During the morning, National Airport's control tower radioed to ARFF crews on scene several reports of unidentified aircraft in the area. Captain Defina relayed these to the incident commander who ordered evacuations. The ARFF crews ran for about 100 yards to and across nearby Washington Boulevard, where they crouched behind Jersey barriers. (NFPA Journal, Nov. 2001)

Diese Situation wurde auf dem folgenden Bild festgehalten. Zufälligerweise sieht man links neben dem Einsatzfahrzeug auch den kleineren Brandherd (ein brennender PKW).
 

firefighter-evacuated-PENT08

Quelle

Detailbetrachtung einer “aufschlußreichen Amateuraufnahme”

Die angebliche “Amateuraufnahme” führt in die Irre, wenn man sie nicht detailliert betrachtet - auch vor dem Hintergrund der obigen Informationen:
 

holan-truck61ambildrand

Quelle: Tom Horan (AP)

Am linken Bildrand ist Rescue Engine 161 zu sehen. Dieses Fahrzeug war bereits vier Minuten nach dem Impact vor Ort
The ride to the Pentagon took about four minutes, William Harris, a Fort Myer fire department sergeant, said. Harris was the driver of Engine 161. (Quelle)

 

defina-engine 161

Quelle

Dieses Fahrzeug war jedoch auch längere Zeit nach dem Eintreffen der Speziallöschfahrzeuge der Metropolitan Washington Airport Authority (MWAA) und nach dem Fassadeneinsturz an derselben Stelle zu sehen:

zweigelbetrucks200109114a

Quelle

pentagon-horan-erweitert02

Quelle: Tom Horan (AP)

burgess-wasserloesch Pentagon

Quelle

Zusammenfassung der Details:

1) Die gelben MWAA-Speziallöschfahrzeuge sind im fraglichen Bild nicht zu sehen (obwohl sie ab 9:44 vor Ort waren). Das rot-weiße Löschfahrzeug ist in gewissem Abstand vor Ort (je nach Bildausschnitt).
2) Gleichzeitig befindet sich eine Vielzahl Einsatzfahrzeuge im Bild rechts unten, relativ weit entfernt vom Impact-Bereich.
3) Direkt vor dem Einschlagbereich sieht man größere weiße Flächen auf dem Rasen (Reste vom Löschschaum).
3) Der gesamte Bereich vor dieser Gebäudeseite liegt nicht mehr im Schatten der tiefstehenden Sonne.
4) Keine Brände ausserhalb des Gebäudes, trotzdem ist die Fassade großflächig bis zur Dachkante rußgeschwärzt.
6) Ab 10.15 Uhr musste der potentiell gefährdete Bereich mehrmals evakuiert werden, weil die Informationen bzgl. weiterer entführter Flugzeuge nach wie vor widersprüchlich waren.

Diese Details lassen nur eine Schlussfolgerung zu:
Die Aufnahme ist nach dem Einsturz des Gebäudes entstanden.

Der schräge Blickwinkel kommt nun zum Tragen. Der eingestürzte Bereich wirkt aus diesem Blickwinkel und bei dieser Brennweite relativ schmal im Vergleich zum restlichen Gebäude. Der Rauch verdeckt zusätzlich den Impact-Bereich. Dadurch entsteht der Eindruck eines intakten Gebäudes. Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch insbesondere die aufgerissene Dachkante auf. Im Vergleich hierzu ein rauchverhangendes Bild aus ähnlicher Richtung und wesentlich geringerer Entfernung.
 

horan-pentagon3a02

Quelle: Tom Horan (AP)

impactbereich-von rechts1a02

Nochmals die große Entfernung und schräge Perspektive in der Totalen:
 

horan-pentagon-totale

Quelle

Auf dem folgenden Bild lässt sich nochmals deutlich erkennen, daß sich aus diesem Blickwinkel der zerstörte Fassadenteil unmittelbar hinter dem abgesperrten Baustellen-Bereich mit dem weißen Bau-Trailer befindet.
 

pent-idiot2

Quelle

Aufschlussreiche Bild-Recherche

Die WDR-Dokumentation “Aktenzeichen 9/11 ungelöst” des Herrn Wisnewski transportiert anhand eines einzigen “aufschlussreichen” Bildes fünf Falschinformationen.

1. Aufnahme aus einem Zimmer des Sheraton-Hotels = Falsch

2. Amateuraufnahme = Falsch

3. Kurz nach dem Einschlag aufgenommen = Falsch

4. Den Behörden durch die Lappen gegangen = Falsch

5. Fassade ohne Einschlagloch = Falsch

Wirklich aufschlussreich?

 

Warum beschäftigt sich MOSAIK911 mit ‘Nebensächlichkeiten’?

Es handelt sich um keine Nebensächlichkeit, denn:

1. Die Fehl-Interpretationen dieses Bildes stammen von einem französischen Journalisten, der ursächlich an der Verbreitung des NoPlane-Hoaxes beteiligt war und zwei erfolgreiche Bücher zum Thema publiziert hat.

2. Die Fehl-Interpretationen werden von einem deutschen Journalisten kritiklos übernommen und innerhalb einer TV-Dokumentation des öffentlich-rechtlichen Fernsehens präsentiert. Trotz eklatanter ‘Sehfehler’ ist dieser Journalist weiterhin als Referenz in der Zweifler-Szene präsent und akzeptiert. Der WDR hat sich hingegen von diesem Journalisten getrennt.

3. Dieses Bild bildete die Grundlage einer These, die der ‘offiziellen’ Version gegenübergestellt wird. Es zeigt exemplarisch, wie Indizien für ‘alternative’ Versionen konstruiert werden. 
Zuerst steht die spinnerte These, dann werden Informationen darauf zugeschnitten.
Ich werfe Wisnewski also nicht FEHLER vor, nicht Ungenauigkeit oder Schlamperei. das kann jedem mal passieren. Sollte nicht, tut`s aber.
Es geht um bewußte Irreführung der Leser. Die Grundinformationen des Artikels stimmen nicht, und das liegt nicht an Schlamperei. (Zitat Andreas Hauß)

Die angebliche ‘Nebensächlichkeit’ ist demnach lediglich ein konkretes Beispiel für die Methodik und der doppelzüngigen Gratwanderung der Zweifler-Szene im Umgang mit ihren Protagonisten.
 

blackbalken1