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Atta ruft Atta
Im Buch von Andreas von Bülow wird die Legende von den sieben überlebenden Hijacker propagiert, die bereits mit der Veröffentlichung der Hijacker-Bilder durch das FBI am 27.09.2001 erledigt war. Auch von Bülow beruft sich nur auf die Presseberichte, die ausschliesslich aus der Zeit vor dieser FBI-Liste stammen und selbst von beteiligten Journalisten längst revidiert wurden: “Welch ein Unsinn, davon redet hier schon lange kein Mensch mehr.” Seine Reporter hätten damals, so Bradley, nicht selbst mit den “Überlebenden” gesprochen, sondern Berichte anderer arabischer Blätter zusammengefasst.[...] Mit den Fotos war der Unsinn von den überlebenden Terroristen schnell erledigt. Bradley: “Das Ganze ist auf das Chaos in den ersten Tagen nach dem Anschlag zurückzuführen. es handelte sich um Namensgleichheiten.” Die Namen von zwei der angeblich überlebenden Attentäter - Said al-Ghamdi oder Walid al-Schari - gebe es in Saudi-Arabien so häufig wie John Smiths in den USA oder Großbritannien.” (SPIEGEL 37/2003, S. 61)
Andreas von Bülow spekuliert darüberhinaus über das Ableben des mutmaßlichen Anführers der Hijacker: Als achter möglicherweise Überlebender käme noch der angebliche Anführer [...] hinzu, wenn zuträfe, was der Vater von Mohammed Atta berichtet. Vater Atta ist Rechtsanwalt in Kairo. [....] sein Sohn habe ihn noch drei Tage nach der Tat von Hamburg aus angerufen. Der Sohn studiere in Deutschland und sei überhaupt nicht in die Vereinigten Staaten gereist. (Die CIA und der 11. September, S. 96) Da die Eltern Atta, wenn nicht schon vor, dann doch mit Sicherheit spätestens nach dem Attentat telefonisch überwacht worden sind, müßte der Wahrheitsgehalt der Aussage des Rechtsanwalts in Kairo an Hand der Telefonaufzeichnungen nachprüfbar sein. Hatte er doch, wie er behauptet, drei Tage nach dem 11.9. noch mit seinem Sohn Mohammed telefoniert. Ob die Telefongespräche des Vaters nach dem 11.9. lückenlos abgehört wurden, ist nicht zu erfahren. Doch selbst wenn dies der Fall sein sollte, würden sich die Behörden hinter dem Gebot der Geheimhaltung verschanzen, wonach die Preisgabe des Originalbandes Einblick in Methoden und Arbeitsmittel der Geheimdienste geben könne. (Die CIA und der 11. September, S. 102)
Die Spekulationen beruhen also ausschliesslich auf den Angaben des Vaters des beschuldigten Massenmörders. Der Anruf soll am Folgetag der Anschläge bzw. 48 Stunden danach stattgefunden haben - die Angaben von Atta sr. schwanken hierzu. “I spoke to him four or five days ago. I think after the incident. About 48 hours after (the attacks),'' the father said. (18.09.2001, Father Denies Son's Involvement, SARAH EL DEEB, Associated Press Writer) My son called me the day after the attacks on September 12 at around midday. We spoke for two minutes about this and that. (Quelle , 02.09.2002)
Eines fällt direkt auf: Das angebliche Atta-Gespräch unmittelbar nach den weltbewegenden Anschlägen hat diese nicht zum Thema - wie Atta sr. immer wieder betont: We spoke for two minutes about this and that. (Quelle)
Die Situation hat etwas skurriles: Atta jr. und Atta sr. am 12.09.2001 über “Dies und das” plaudernd, während die gesamte restliche Welt den befürchteten Ausbruch des dritten Weltkrieges diskutierte.
Skurril ist das gesamte Telefonat-Konstrukt: Eine zentrale Figur der Jahrhundert-Anschläge durfte nach den Anschlägen mit seinem Vater telefonieren und wurde dann erst beseitigt? Atta sr. hat die wildesten Erklärungen hierfür zur Hand: The Mossad kidnapped my son,” he says. [....] They forced him to make the phone call after the attack to cause controversy. Then they killed him. This was done by the Mossad, using American pilots. (Quelle), 25.09.2001 Er ist entführt worden. Die Leute vom Mossad haben ihn den Anruf machen lassen und mit Waffen bedroht. Ich schließe nicht mehr aus, dass er liquidiert wurde, auf die übliche Weise, vielleicht in einem Säurebad. (SPIEGEL 40, 2001, S. 42)
Natürlich - der MOSSAD. Der Ägypter Atta sr. hat ein klares Feindbild und demonstriert eindrücklich, wie tief verwurzelt die antisemitische Propaganda in der arabischen Welt ist: Tell me,” he says, “how it was that 4,000 Jewish employees didn’t go to [work at the World Trade Center] on that day? We’re not talking about one or two, we’re talking about 4,000 here. Do you want to rule it out as a mere coincidence? Or do you agree with me that only a highly sophisticated organization could make such unprecedented preparations to avoid the death of 4,000 Jews? (Quelle, September 2004)
Die Motive des Vaters sind demnach leicht nachzuvollziehen: Natürlich macht all das Gerede keinen Sinn, [...]. Aber hier in Kairo macht es Sinn. Für Atta senior, für seine Freunde im Schützenclub, für alle, die genau das brauchen: dass mit wenigen Sätzen eine Heldengeschichte geschrieben, dass aus dem Killer, der die Welt schockiert, der Märtyrer von Giseh wird. (SPIEGEL 40, 2001, S. 42)
Der Anwalt aus Bonn macht trotz aller Widersprüchlichkeiten auch diese Räuberpistole in bewährter Manier zum Spekulationsobjekt. In allerlei Konjunktiven soll ein Indiz suggeriert werden - der oben zitierte Absatz aus dem Bülowschen Buch ist ein einziges Nebelgestocher: Wenn das Telefonat stattfand und wenn Atta abgehört wurde, würden “die Behörden” die Bänder sowieso nicht freigeben.
Natürlich macht all das Gerede keinen Sinn, [...]
Aber es füllt Bücher.
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